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Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres. Viele Hoffnungen und Wünsche verbinden wir mit dem Jahreswechsel: Was wird das neue Jahr bringen? Was wird uns gelingen? Aber auch Bedenken und Zweifel kommen so manchen, wenn sie an das neue Jahr denken. 2009 war für viele ein Jahr der Krisen: nach der Immobilienkrise kam die Wirtschaftskrise und unsere Schulen im Land wurden durch den Amoklauf in Winnenden tief erschüttert. Anfang Dezember gab die Leitung von Daimler bekannt, dass die nächste C-Klasse wo anders gebaut werden soll. Seitdem fürchten viele um ihren Arbeitsplatz und damit verbunden um ihre Häuser und um ihre wirtschaftliche Existenz. Wie soll es in Zukunft weitergehen? Spannungsvolle Vorzeichen, mit denen wir das Jahr 2010 beginnen.
Hinein in unsere Überlegungen, Hoffnungen, aber auch Befürchtungen für das neue Jahr spricht uns die diesjährige Jahreslosung an: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an mich und glaubt an Gott.
Diese Worte hat Jesus vor fast 2000 Jahren an seine Jünger gerichtet. Jesus war mit seinen Jüngern durch das Land Israel gezogen und war nun in Jerusalem. Die Zeiten waren unruhig, die Autoritären des Volkes hatten Jesus schon länger beobachtet und er war ihnen ein Dorn im Auge. Seine Botschaft und sein Verhalten passten nicht in ihre Vorstellungen vom Reich Gottes. Und er war ein Aufwiegler: Was würde passieren, wenn er das Volk gegen die Römer aufhetzt? Die Stadt Jerusalem war in Aufruhr, Jesus sollte verschwinden. Mitten in diesem Tumult nimmt Jesus Abschied von seinen Jüngern. Was auch geschieht, euer Herz erschrecke nicht, spricht Jesus zu ihnen. Glaubt und vertraut.
Jesus mutet seinen Jüngern etwas zu. Die Bibel berichtet nun im Johannesevangelium, dass nach diesem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern die Soldaten kommen und ihn verhaften. Jesus wird ans Kreuz genagelt und er stirbt. Das Selbstverständnis der Jünger ist zutiefst erschüttert. Er, ihr Meister und Anführer lebt nicht mehr. Er, auf den sie all ihre Hoffnungen gesetzt haben, ist tot. Erschreckt nicht. Doch die Jünger waren erschrocken und sie hatten allen Grund dazu.
Glaubt an mich und glaubt an Gott, so begründet Jesus, dass die Jünger nicht erschrecken sollen. Gründe zu erschrecken gab und gibt es viele. Damals der gewaltsame Tod Jesu, heute die Krisen und Bedrohungen in unserer modernen Welt und die privaten Erschütterungen.
Euer Herz erschrecke nicht, steht wie eine Überschrift über dieses kommende Jahr. An Jesus zu glauben und zu hoffen beim Erschrecken über diese Welt heißt, zu wissen, dass Jesus mit dabei ist. Gott begleitet uns durch die Krisen unseres Lebens und unserer Welt. Gott ist bei uns in Höhen und auch in Tiefen. Unser Gott ist ein solidarischer Gott, der uns nicht alleine lässt.
An Gott zu glauben beim Erschrecken über unsere Welt heißt zu wissen, dass jemand da ist, der uns zuhört, wenn wir zu ihm beten und Gott unser Leid klagen. Gott hört uns zu und nimmt uns und unsere Klagen und Bitten ernst.
Auf Gott zu hoffen, heißt sich in den Stürmen in Gottes Hand geborgen zu wissen. Egal was passieren wird, mit unserer Hoffnung und durch unseren Glauben können wir darauf vertrauen, dass wir in Gott sicher sind. Gott behält die Oberhand.
Auf Gott in Krisen zu vertrauen heißt auch sich zu erinnern, was wir schon mit Gott erlebt haben und wo uns Gott schon getragen hat. Die Jünger hatten Erlebnisse, in denen sie Gott gespürt haben. Sie haben Gottes Macht erfahren, als Jesus Blinde und Lahme geheilt hat. Sie haben Gottes Schutz erfahren, als Jesus sie im Sturm auf dem See Genezareth gerettet hat. Wo haben Sie in ihrem Leben schon Gott erfahren? Manchmal ist es leichter sich gemeinsam zu erinnern und sich gemeinsam auf Gott zu besinnen.
Glaubt an mich, auch oder besonders in der Krise. Es ist eine Herausforderung und eine Zumutung. Glaube und Vertrauen brauchen Zeit zum Wachsen.
Erschreckt nicht. Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr, dass Sie nicht erschrecken müssen. Aber dann, wenn es solche Situationen gibt, einen festen Glauben an Jesus Christus, der Sie durch ihr Leben begleitet, damit es kein maßloser Schrecken wird, sondern dass Sie sich in Gott geborgen wissen.
Vikar Thomas Breitkreuz
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