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Keine Segnung homosexueller Paare –

Offener Brief zum gescheiterten Gesetzentwurf der Landessynode

Mit großem Bedauern, Ärger und großer Fassungslosigkeit haben wir als Kirchengemeinderat der evangelischen Christuskirchengemeinde in Böblingen die Entscheidung der Landessynode vom 29. November zur Kenntnis genommen, nach welcher der Kompromissvorschlag des Oberkirchenrats zur Segnung homosexueller Paare die notwendige Zweidrittelmehrheit um zwei Stimmen verfehlt hat. Unsere Betroffenheit und Hilflosigkeit ist groß.

Wir verstehen den kirchlichen Segen als eine Wirkmacht Gottes, mit der Gott uns als Ge-meinschaft wie auch als Individuen durchs Leben begleitet und stärkt. Wenn die Liebe Gottes allen Menschen gilt, dann gilt auch der Gottes Segen allen Menschen. Dies findet seine Entsprechung in unserem kirchlichen Handeln. Der Segen Gottes steht am Ende eines jeden Gottesdienstes und begleitet und stärkt die Menschen, wenn sie in den Alltag zurückkehren. Darüber hinaus wird der Segen Menschen ganz bewusst an existentiell bedeutsamen Lebensabschnitten zugesprochen: bei der der Taufe, der Konfirmation, bei Trauungen oder am Sterbebett. Auch aus anderen Anlässen werden Einzelne oder bestimmten Gruppen gesondert gesegnet (Einschulung, Entsendung kirchlicher MitarbeiterInnen, spezielle Segnungsgottesdienste). In all diesen Formen drückt sich der Segen als Wirkmacht Gottes aus, mit der Gott uns durch unser Leben – und gerade an markanten Wendepunkten des Lebens begleiten und stärken will. Angesichts der Vielfalt von Segenshandlungen erscheint es uns unvorstellbar, den Segen Gottes einer bestimmten Personengruppe bewusst zu verweigern.

Es ist uns wichtig, dass wir als Kirchengemeinde offen sind für alle Menschen – ausdrücklich auch für Männer und Frauen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Und wo zwei Menschen beschließen, ein gemeinsames Leben in Verantwortung, Verlässlichkeit, Treue und Gleichberechtigung zu führen, da steht dieses Vorhaben nach unserem Verständnis unter dem Segen Gottes, ohne dass damit die besondere Stellung der Ehe von Mann und Frau in Frage gestellt wäre.

Wir akzeptieren, dass unsere Auffassung nicht von allen Christinnen und Christen in gleicher Weise geteilt wird. Und genau dieser Tatsache wurde der Kompromissvorschlag des Oberkirchenrats mehr als gerecht. Denn dieser sah vor, dass die Entscheidung für oder gegen die Segnung homosexueller Paare von jedem einzelnen Kirchengemeinderatsgremium und von jeder Pfarrerin und jedem Pfarrer eigens getroffen werden kann. Dass aber eine Minderheit unserer Landeskirche nicht bereit ist zu akzeptieren, dass ihre Meinung eben nicht von allen anderen geteilt wird, und dass diese Minderheit durch ihr Votum in der Landessynode allen anderen Kirchengemeinden, Pfarrerinnen und Pfarrern vorschreibt, wie sie sich in der Frage der Segnung homosexueller Partnerschaften zu verhalten haben, stößt bei uns einhellig auf Fassungslosigkeit, Ärger und Unverständnis.

Wir erleben das Abstimmungsergebnis der Landessynode zudem als ein fatales Signal für unsere Gesellschaft, das dazu führen wird, dass weitere Menschen der Kirche den Rücken zukehren werden. Und wir befürchten auch, dass auch junge Theologinnen und Theologen unserer Landeskirche verlassen werden. Wir wissen um Theologiestudierende und um Vikarinnen und Vikare, die sich angesichts der aktuellen Beschlussfassung ernsthaft die Frage stellen, ob sie in unserer Landeskirche arbeiten wollen. Und sie stellen sich diese Frage in einer Zeit, in der wir in unserer Landeskirche über den massiven Pfarrstellenabbau im Jahr 2024 beraten müssen, der wesentlich auch dadurch mitbedingt ist, dass es uns in unserer Landeskirche an jungen Pfarrerinnen und Pfarrern mangelt.

All dies erfüllt uns mit großer Sorge. Und wir appellieren als Kirchengemeinderat einstimmig an Landesbischof Frank Otfried July und an die Synode unserer Landeskirche, dass es nicht bei diesem gescheiterten Versuch, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen, bleiben darf. Mut machen uns dabei Aussagen von Landesbischof July, der sich verpflichtet fühlt, in dieser Sache weiter aktiv zu bleiben. Diese Verpflichtung wird nicht nur den fast zwei Dritteln der Synode gerecht, die sich für eine Reform ausgesprochen haben. Sie wird vor allen den betroffenen gleichgeschlechtlichen Paaren gerecht, die sich zurecht von unserer Kirche im Stich gelassen fühlen.

Pfarrer Moritz Twele, Pfarrerin Friederike Strauß und der gesamte Kirchengemeinderat der Christus-kirchengemeinde


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