Unsere Osterkerze 2010
Wo wir - wie Jesus - das Brot miteinander brechen…
Seit dem Ostersonntag brennt sie in unseren Gottesdiensten die neue Osterkerze, die auch in diesem Jahr von Frau Barkholz liebevoll gestaltet wurde. Ein ganzes Jahr lang wird uns diese neue Osterkerze begleiten ein Licht der Hoffnung, das uns von unserem Altar entgegen leuchtet.
Das Motiv in diesem Jahr zeigt drei Menschen an einem Tisch. Vor ihnen ein Brot, ein Krug und drei Becher. Drei Menschen an einem Tisch und doch sind es als erstes die Farben, die ins Auge fallen: Sattes Grün bestimmt die linke und kräftiges Rot die rechte Bildhälfte. Doch alles zusammen wird überstrahlt vom kräftigen Gelb, das seinen Ausgangspunkt in der uns zugewandten Person in der Mitte des Tisches hat. So kräftig und voller Lebenskraft sind die Farben, dass der schwarze Schatten am unteren Bildrand kaum noch auffällt. Und dabei ist es gerade dieser schwarze Schatten, der noch bis vor wenigen Minuten zutiefst das Geschehen geprägt hat.
Denn wie ein schwerer Schatten lastete das Dunkel noch bis vor wenigen Momenten auf den beiden Figuren rechts und links am Tisch. Es sind die Emmausjünger, von denen das Lukasevangelium im 24. Kapitel erzählt. Zwei Männer, die zum erweiterten Jüngerkreis um Jesus gehörten. All ihre Hoffnung hatten sie auf Jesus gesetzt auf ihn, den sie für den Messias hielten. Doch nun ist Jesus in Jerusalem hingerichtet worden und mit ihm alle Hoffnungen, die sie auf ihn gesetzt hatten. Es ist, als wäre die Welt für die beiden Männer zusammengebrochen.
Drei Tage nach Jesu Kreuzigung sind sie unterwegs auf dem Heimweg nach Emmaus, einem kleinen Ort etwa 20 Kilometer von Jerusalem entfernt. Gedrückt und schwermütig kehren sie Jerusalem den Rücken kehren sie zurück, in ihr altes Leben. Doch dieses Leben scheint allen Sinn verloren zu haben. Da schließt sich ihnen ein unbekannter Mann an, der ein Stück des Weges mit ihnen geht. Sie können es kaum fassen, denn dieser Mann scheint nichts von den Ereignissen um Jesu Tod gehört zu haben. Der Fremde geht mit ihnen, und sie erzählen ihm von all ihren Erfahrungen mit Jesus, erzählen von ihrer Hoffnung davon, dass Jesus Israel erlösen würde. Erzählen von Jesu Tod, von den Frauen, die am Tag zuvor das Grab leer vorgefunden haben und denen ein Engel sagte, dass Jesus lebe. Doch glauben können sie es nicht. Die beiden erzählen und erzählen. Und der Fremde er geht mit und hört ihnen zu. Geht mit und lässt die beiden ihr Herz ausschütten. Er hört ihnen zu und nicht nur das. Er erzählt ihnen aus der Heiligen Schrift, von Mose und den Propheten. Er fragt sie, ob Jesus nicht genau das erleiden musste, um in seine Herrlichkeit einzugehen.
Und als sie beim Haus der beiden Männer in Emmaus angelangt sind und der Fremde Anstalten macht zu gehen, da drängen die Beiden ihn und bitten den Fremden: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ Und der Fremde lässt sich nicht lang bitten. Er geht mit ihnen hinein und setzt sich mit ihnen zu Tisch. Und er nimmt das Brot, sagt Dank, brichts und gibt es ihnen. Und mit einem Mal fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen. Mit einem Mal erkennen sie, wer da an ihrer Seite ging auf dem Weg von Jerusalem erkennen, wer da mit ihnen am Tische sitzt und das Brot bricht: Niemand anderes als der lebendige und auferstandene Jesus selbst. Mit dem Brechen des Brotes werden ihre Augen geöffnet.
Eben dieser Moment ist auf unserer Osterkerze festgehalten. Der Moment nahezu ungläubigen Starrens bei der linken und freudigen Erkennens bei der rechten Figur. Der Moment, in dem aller Schatten von den beiden abfällt und sie eingetaucht werden in das gleißende Licht, das sie von Jesu ausgehend umfängt.
Im nächsten Moment wird der Auferstandene vor ihren Augen verschwunden sein. Auf unserem Bild sind die Konturen Jesu schon fast gänzlich verschwommen, löst Jesus sich auf ins Licht. Doch das Licht, es bleibt und umfängt die Beiden auch weiterhin. Kaum können sie es glauben, dass sie ihn nicht sofort erkannt haben. Denn „brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auch dem Wege und uns die Schrift eröffnete?“
Und dann wird sie nichts mehr halten. Gleich werden sie aufspringen vom Tisch, werden zurückeilen nach Jerusalem und es den übrigen Jüngerinnen und Jüngern erzählen: Dass Jesus auferstanden ist, dass er mit ihnen auf dem Wege war und wie sie ihn erkannten, als er mit ihnen das Brot brach.
Zwei Jünger mit Jesus an einem Tisch. Einen Namen gibt Lukas den beiden nicht und dies wohl ganz bewusst. Die beiden Emmausjünger sie könnten für jeden Mann, für jede Frau stehen damals nach Jesu Tod, aber nicht nur damals.
Sie stehen auch heute für Dich und für mich. Denn auch heute ist Jesus an unserer Seite, begleitet uns auf unseren Wegen gerade dann, wenn es schwere Wege sind, die wir zu gehen haben. Nicht immer werden wir ihn gleich erkennen. Manchmal wird uns vielleicht erst im Nachhinein bewusst, wer uns da begleitet hat.
Jesus ist an unserer Seite: immer da, wo wir das Brot miteinander brechen. Wo wir das Mahl miteinander teilen, so wie er es uns gelehrt hat. Und nicht nur das: Unsere Hände können zu seinen Händen werden. Da, wo wir füreinander da sind, so wie Jesus für uns Menschen da gewesen ist und weiterhin für uns da ist.
Unsere Hände können zu Jesu Händen werden, wo wir das Brot miteinander teilen, wo wir einander wahrnehmen ein Stück des Weges miteinander gehen einander zuhören versuchen einander zu verstehen sich einander nicht aufdrängen und doch beieinander bleiben einander den Mut geben, den es braucht, um wieder aufstehen zu können aufstehen zu können und losgehen zu können wieder hinein: ins Leben.
Amen!
Pfarrer Moritz Twele